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Durch Vermittlung eines Freundes lernte ich eine
sehr engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation der United
Nations, Vietnam kennen, die für mich den Kontakt zu einigen Familien mit von
AIDS betroffenen Kindern herstellte.
Jede Familie lebt in einer unterschiedlichen
Situation, aber fast alle Mütter wußten während ihrer Schwangerschaft noch nichts von ihrer HIV-Infektion und
freuten sich wie alle werdenden Mütter sehr auf die Geburt ihres Kindes. Glücklicherweise kamen einige der Babies gesund zur
Welt, während andere im Mutterleib mit dem HIV-Virus infiziert wurden.
Die Frage, die mich ständig beschäftigt ist: Wie
kann die Zukunft dieser Kinder aussehen, wenn die vietnamesische Gesellschaft
immer noch so viele Vorurteile gegen aidskranke Menschen und ihren Familien
hat, sie ausgrenzt und diskriminiert.
Du und ich, wir sind vielleicht stolz darauf, einen
Vater zu haben, der ein guter Arzt oder ein hervorragendender Techniker ist,
eine Mutter, die eine erfolgreiche Lehrerin oder Rechtsanwältin ist.
Andererseits: Wer kann stolz darauf sein,
aidskranke Eltern zu haben, die ihre Erkrankung geheimhalten müssen, um nicht
ihren Job und ihre ganze Existenz zu verlieren.
Eine Mutter, die von ihrem verstorbenen Mann mit
dem HIV-Virus infiziert wurde erzählte mir voller Traurigkeit, daß ihr kleiner Sohn Duy häufig nach seinem Vater frage, und
sie ihm immer berichtet, daß der Vater wichtige Geschäfte im Ausland zu erledigen
hat, weil sie verhindern möchte, daß der Junge die Wahrheit erfährt und anderen
Kindern weitererzählt.
Glücklicherweise ist der Junge nicht mit dem
HIV-Virus infiziert und kann deshalb zur Schule gehen, solange die
HIV-Infektion der Mutter nicht bekannt wird. Kindern, die an AIDS erkrankt
sind, wird es nicht gestattet, eine Schule zu besuchen, weil die Eltern der
anderen Kinder um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten.
Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihren
Sohn geben ihr Kraft, ihren Alltag zu bewältigen. Sie muß täglich über 15 km
durch dichten Verkehr und Abgase mit dem Fahrrad zurücklegen, um ihre beiden
Arbeitsstellen zu erreichen.
Ihre Tätigkeit als Beraterin und Betreuerin von
Familien, in denen aidskranke Kinder leben, wird nur mit 16 Euro pro Monat entlohnt, aber diese
Aufgabe gibt ihr das gute Gefühl, mit ihren Erfahrungen anderen helfen zu
können.
Während sie mir ihre
Lebensgeschichte erzählt, berichtet sie von ihrem wichtigsten Ziel, ihren Sohn
zu einem mutigen und unabhängigen Menschen zu erziehen, damit er eines Tages,
wenn sie und die Großeltern nicht mehr da sind, seinen Weg allein weitergehen kann.
In meinem Herzen habe ich den
Wunsch, dem Jungen zu sagen, daß er sehr stolz auf seine Mutter sein kann, die
ihr hartes Schicksal bewältigt hat und sich von Diskrimination und Rückschlägen
und großen Schwierigkeiten nicht entmutigen läßt .
Gemeinsam
mit meinem Mann habe ich eine Patenschaft für Duy
und für ein weiteres Kind übernommen, um die
Kinder zu unterstützen und ihnen zu
helfen, einen guten Weg für ihr
Leben zu finden.
Hai Nguyen
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