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Jedes Jahr im September
freuen sich die Kinder in Vietnam auf den Beginn des neuen Schuljahrs und
darauf, ihre Schulfreunde wiederzusehen. Jedoch für viele aidskranke Kinder und
ihre Eltern ist es oft sehr schwierig und mit vielen Hindernissen verbunden, am
Schulunterricht teilzunehmen.
Die gesellschaftlich
ausgegrenzten aidskranken elternlosen Kinder, die im
"Hope-Waisenhaus" in der Nähe von Hanoi leben, werden bestimmt
niemals die Erniedrigung und Enttäuschung vergessen, die sie an einem
Septembertag beim Beginn eines neuen Schulhjahrs erlebt haben.
An diesem Tag waren sie froh
und voller Erwartung, denn sie sollten am Unterricht der "Yen Bai"
Schule in der Nähe des Waisenhauses teilnehmen. Jedoch am selben Tag wurden
sie von der Schule verwiesen und die Teilnahme am Unterricht wurde ihnen durch
die Schulleitung verboten.
Der Grund dafür war die
Tatsache, daß viele Eltern der gesunden Kinder nicht damit einverstanden waren,
daß die Waisenkinder zusammen mit ihren Kindern am Unterricht teilnehmen.
Einen ähnlichen Vorfall gab
es an einer Schule in Saigon (Süd-Vietnam). An der "Nhon Don"- Schule
protestierten mehrere hundert Eltern als sie erfuhren, daß aidskranke Kinder an
dieser Schule unterrichtet werden sollten. Sie wollten den aidskrankene Kindern
nicht einmal zuhören, als diese baten: "Bitte lasst uns die Schule
besuchen. Wir versprechen, daß wir andere Kinder nicht anstecken werden".
Eine Mutter von aidskranken
Kinder, die die dritte Klasse einer Schule in Hanoi besuchen, berichtet:
"Die Auswirkung der Aidserkrankung auf die Gesundheit meiner Kinder ist
nicht das Schlimmste. Viel schlimmer ist die Diskriminierung und Ausgrenzung,
die meine Kinder täglich ertragen müssen."
An dem Tag, als ihr ältestes Kind in die Schule gehen sollte brachte sie das
Kind zur "Khuong Dinh" Grundschule in Hanoi. Sie hatte niemandem über
die Aidserkrankung des Kindes berichtet, aber die Eltern der anderen Kinder
erfuhren davon. Sie wandten sich erbost an die Schulleitung und verlangten, dem
aidskranken Kind den Schulbesuch nicht zu gestatten.
Verzweifelt wandte sich die Mutter an ein Zentrum für Aidskranke in Hanoi.
Glücklicherweise waren nach der Intervention von Mitarbeitern des Zentrums die
Schulleitung und die Eltern der gesunden Kinder bereit, auch aidskranken
Kindern den Schulbesuch zu gestatten.
Zwei vietnamesische
Provinzen, in denen es viele aidskranke Menschen gibt, sind die Provinzen Quang
Ninh und An Giang. Untersuchungen in der Provinz Quang Ninh ergaben, daß 13%
der aidskranken Kinder dort nicht zur Schule gehen. In der Provinz An Giang
gehen sogar 39% der aidskranken Kinder nicht zur Schule. Es wurde nachgeforscht, aus
welchen Gründen diese Kinder nicht zur Schule gehen. Die meisten der betroffenen
Kinder gaben an, daß sie die Diskriminierung und Ausgrenzung durch ihre
Mitschüler nicht ertragen können. Der Grund für die Ausgrenzung der aidskranken
Kinder durch ihre Mitschüler liegt den Untersuchungen nach darin, daß die
Eltern der gesunden Kinder ihren Kindern den Umgang mit den aidskranken Kindern
verbieten.
Es gibt
zwar Gesetze und Regeln gegen die Diskrimination von aidskranken Personen in
Vietnam, aber bei den Bemühungen zur Integration von aidskranken Kindern in die
vietnamesische Gesellschaft gibt es immer noch viele Schwierigkeiten. |